Zum wiederholten Mal konnte die Ev.-Freikirchl. Gemeinde Kappeln sich zu den aktiven Anbietern von Programmpunkten der Kappelner Heringstage zählen. Dieses Stadtfest findet alljährlich für 4 Tage ab Himmelfahrt statt. Die Veranstalter bemühen sich, bei diesem Ereignis nicht nur die üblichen Futter- und Getränkebuden, Fahrgeschäfte, Disco- und Musikveranstaltungen zu engagieren. Vor einigen Jahren haben sie unsere Gemeinde eingeladen, das Angebot der Heringstage für Kinder attraktiver zu machen. Dazu stellt man uns bisher einen großen zentralen Platz zur Verfügung, den wir kostenfrei belegen können und mit ebenfalls kostenfreien Energieanschlüssen, Sanitäreinrichtungen versorgt werden. Dazu auch Ausstellerausweise für alle unsere ehrenamtlichen Mitarbeitenden, die Durchfahrtsrechte haben und dann auch noch für jeden Tag mit Verzehrgutscheinen ausgestattet werden, die an allen Imbissangeboten eingelöst werden können. Das lässt sich der Veranstalter also richtig was kosten, zumal der Platz sich weitaus profitabler auch an zahlende Aussteller vermieten lassen würde.

Wir als Gemeinde nahmen die damalige Anfrage als Auftrag, einerseits ein kostenloses Spielangebot einzurichten, das u. a. auch sozial benachteiligten Kindern Kappelns, Migrantenfamilien und sonst Familien, die es nicht so reichlich haben, zugute kommen soll und andererseits als uns willkommene Möglichkeit, als Christen und namentlich als kleine Freikirche öffentlich vertreten zu sein. Während das Bungee-Run, das PullBull-Riding und die Dalmatiner-Hüpfburg zweifellos die großen Attraktionen für Kinder und Jugendliche sind, kommen wir mit den Müttern und Vätern, mit Omas und Opas oder sonst anwesenden Erwachsenen in Gespräche über Gott und die Welt. Dabei leisten die Tisch- und Bank-Garnituren des Spielmobils gute Dienste, sind meist gut besetzt. Wir bieten Tee, Kekse, Kaffee und Mineralwasser an, weil wir bislang stets warme, sonnige Tage hatten und die Besucher dankbar für eine kleine Pause sind und die Kinder nach ausgiebigem Spiel mächtig durstig sind. Umliegende Gastronomiebetriebe- Zelte akzeptieren unser in der Regel persönlich ausgesprochenes kostenloses Angebot einer Tasse Kaffee oder den Ausschank von Mineralwasser und auch wir achten darauf, dass unsere professionellen Nachbarn ja auf ihren Umsatz angewiesen sind. Evangelistisch betrachtet läuft diese Aktion auf der Ebene persönlicher Ansprache meistens seitens der Besucher (Wer wir sind ist ja auf den Beschriftungen an den Spielgeräten zu sehen). Inzwischen haben wir auch wiederkehrende Besucher, die uns aus den Vorjahren kennen, Urlauber geben sich als engagierte Christen zu erkennen, helfen teilweise sogar, die Spielgeräte zu beaufsichtigen oder unterstützen den kräftezehrenden Auf- und Abbau der Geräte, die wir jeden Morgen errichten und jeden Abend wieder einpacken.

In diesem Jahr (2018) kam es durch umfangreiche Baustellen zu Engpässen im Kappelner Südhafen, sodass die dortige Stadtfestfläche ausgefallen ist und die Geschäfte und Attraktionen andere Standorte finden mussten. Wir haben uns kompromissbereit gezeigt und uns den „Deekelsenplatz“, auf dem eine Bühne errichtet wurde, mit einer Kinderdisco am Samstag und mit Auftritten von Gesangsvereinen „geteilt“. Das abendliche Bühnenprogramm berührte zwar unser Spielangebot nicht, jedoch waren die Anreise der Künstler incl. SoundChecks und Durchfahrten von Transportern für alle Akteure nicht so einfach, wenn auch alle Beteiligten angesichts der Gegebenheiten der Heringstage sehr tolerant und kooperativ waren. Das gilt auch für einen Getränkestand der gehobeneren Kategorie, der aus bau- und veranstaltungstechnischen Gründen mitten auf „unserem“ Platz errichtet werden musste. Mit dem Betreiber, selbst dem Islam zugehörig, entwickelte sich mit unseren Leuten ein gutes Miteinander, was aus Gründen seines zu erzielenden Umsatzes (Um Servicepersonal, Standmiete etc.zu begleichen)

nicht selbstverständlich war. Besucher des Spielangebotes nutzten seine Tischgarnituren zum Ausruhen ohne Verzehr bei ihm, gelegentlich auch mit unserer kostenfreien Tasse Kaffee vor sich. Wir revanchierten uns mit großer Freundlichkeit im Umgang mit dieser von uns allen nicht favorisierten Situation, die durch die Hafenbaustellen entstanden war. So überließen wir dem Cocktailstand auf dessen Nachfrage hin zu dem abendlichem Bühnenprogramm die Tischgarnituren des Spielmobils und freuten uns, wenn wir selbst abends als Gäste die Musikveranstaltungen besuchten und sahen, wieviele Menschen an den „frommen“ Tischen saßen und die Schriftzüge entzifferten. Also summa summarum ein gutes Miteinander ohne Stress, aber: Es zeigte für uns auch, dass es in Zukunft nicht verhandelbare Grundsätze geben wird. Unabhängig vom Getränkeanbieter werden wir während des täglichen Spielbetriebs keinen Alkoholausschank dulden, weil einige Besucher uns auf dieses No-Go auf einem Kinderspielplatz hinwiesen und wir es selbst auch als sehr problematische empfunden haben. Da Spielplatz und Getränkestand als eine Einheit auf dem Platz wahrgenommen werden mussten, war es für den Gastronom als auch für uns ein zuvor so nicht einschätzbarer schlechter Kompromiss, zu dem wir uns angesichts der beengten Stadtfestsituation haben überreden lassen. Mit den gewonnenen Erfahrungen aus dieser praktisch erlebten Situation sind wir derzeit noch in Gesprächen mit dem Veranstalter und Organisator der Heringstage und haben unsere Grenzen definiert, die u. U. zu unserer Absage einer Teilnahme 2019 führen könnten. Das täte uns leid und sicher auch dem Veranstalter, der umfangreiche Interessen der Stadt, der Geschäfte u. a. m. zu berücksichtigen hat. Als Gegengewicht dienen in dieser Abwägung über den Fortbestand unseres freikirchlichen Engagements während der Heringstage eine durchweg gute Presse, teilweise mit ausführlichem Bild- und Berichtsmaterial, gute Resonanzen in Leserbriefen oder anderen Medien und Ermutigung durch ansässige Geschäftsleute, die unser Angebot wohlwollend unterstützen. Schauen wir also, was in 2019 geht. Wir freuen uns, dass wir den Spieleanhänger bereits für die nächsten Heringstage reservieren konnten. Sicher wird Gott uns gangbare Wege und vernünftige Kompromisse zeigen, die zweifellos angesprochen werden, weil sich die Kappelner Baustellengegebenheiten auch 2019 nicht entspannt haben werden. Andererseits sucht der Veranstalter gemeinsam mit Vereinen, Verbänden, Interessengemeinschaften und auch den Kirchen nach einer regionalen Belebung des Festes mit dem Ziel, dass

es ein Kappelner Fest mit entsprechenden Merkmalen und einem „WIR-Gefühl“ der Bevölkerung werden muss, damit es sich von anderen Veranstaltungen deutlicher und individueller abhebt. Uns scheint es, dass wir mit unseren Erfahrungen als Kirche in der Öffentlichkeit eines Stadtfestes zum Impulsgeber für ein ähnliches ehrenamtliches Engagement anderer Vereine und Verbände werden können und sich somit langfristig betrachtet, ganz neue Aspekte zeigen, der Stadt Bestes zu suchen.

Ach ja, dass wir mehr als nur Hüpfburgen leisten können, zeigt sich im Miteinander der Kirchen in Kappeln. Zusammen gestalten wir regelmäßig den ökumenischen Hafengottesdienst am Sonntagfrüh. Diesmal sogar erstmals mit unserer Pastorin Ute Eberbach, dazu auch mit dem Musikteam unserer Gemeinde. Inzwischen hat dieser Hafengottesdienst auch schon Tradition, wird relativ gut besucht und zeigt, das wir Christen unterschiedlicher Konfessionen in Kappeln miteinander „ganz gut können“.

 

 

Hinweise:
Wir nutzen aus dem Spielmobil „buten“ ja nur das Bungee-Run, das PullBull-Riding und die Dalmatiner-Hüpfburg. Das Riesen-Volleyball litt stets unter Leckagen. Andere Spiele, oder Grill, Crepegerät etc. können mangels Mitarbeitsressourcen nicht verwendet werden (Immerhin müssen unsere Leute mit allem Drum und Dran 4 volle Tage von 9:00 Uhr bis 18:00 Uhr Dienst tun, sich in der Aufsicht abwechseln oder selbst mal Pause machen)


Die Texte auf den Tischen und besonders die Themensäulen sind Geschmacksache, bzw. nicht mehr wirklich in Wortwahl und Aussage anwendbar. Wir ergänzen mit eigenem Material.

Hans-Hermann Mede
(Gemeindeleitung)

 

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